Donnerstag, 29. Juli 2010

Kommt statt dem Hausarzt demnächst die Moni?

Dieser Beitrag stammt aus dem SDezember 2009 - er ist allerdimngs nach wie vor aktuell: Die Pläne der Kassen, die hausärztliche Versorgung von bewegungsbehinderten Menschen abzubauen, sind aktueller denn je.


Der gute alte Hausarzt zieht sich zurück - zumindest, wenn es nach der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen geht. Der Plan: Statt dem Arzt soll Moni chronisch kranke Menschen zu Hause besuchen. "Moni", das ist eine Abkürzung und heißt "Modell Niedersachsen". Das Projekt der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen mit der niedlichen Abkürzung soll die Schere zwischen der steigenden Zahl chronisch kraner Menschen und der sinkenden Dichte in der hausärztlichen Versorgung schließen helfen.

Marion Renneberg, Mitglied im Bezirksausschuss der KV Braunschweig und zweite Vorsitzende des dortigen Hausärtzeverbandes, erklärt: "Moni basiert darauf, dass qualifizierte medizinische Fachangestellte vor allem Hausärzte bei medizinischen und verwaltenden Tätigkeiten entlasten. Wohlgemerkt nicht ersetzen."

Und so soll Moni funktionieren: Dr Arzt bleibt in seiner Praxis. An seiner Stelle fährt eine Arzthelferin zu Patienten, legt Verbände an, misst Blutdruck- und Blutzucker und verabreicht Medikamente. Die Arzthelferinnen sollen eine 200stündige Zusatzausbildung absolvieren – danach sind sie dann "Verah", das steht für "Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis"

Der niedersächsische Pflegerat sieht die Entwicklung ausgesprochen kritisch. Pflegeratsvorsitzende Marita Mauritz befürchtet Parallelstrukturen: "Wir halten es für problematisch, dass in Kurzkursen Medizinische Fachangestellte qualifiziert werden, ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen."

_____________________________________

Meine persönliche Meinung:

Nach der Zweitklassen-Medizin, mit der wir schon lange mehr schlecht als recht leben, soll jetzt die "Holzklasse" eingeführt werden - für chronisch Kranke. Die älteren unter uns haben ja selbst noch auf den harten Sitzen in der Eisenbahn reisen müssen, wenn wir nicht genug Geld hatte, in der zweiten oder ersten Klasse Platz zu nehmen.

Auch wenn die KV versichert, "Verah" und "Moni" sollten den Hausarzt nicht ersetzen, sondern seien sozusagen "ferngesteuert" - unter einer ordentlichen ärztliche Versorgung stelle ich mir etwas anderes vor.

Warum dann nicht gleich der Schritt von Moni zu Mose - dem "Modell Selbstbehandlung"?

Norbert Maas

Unternehmen betrügen Schwerbehinderte - keiner schaut hin

Wer als Arbeitgeber mehr als 20 Mitarbeiter in seinem Betrieb beschäftigt, muss einen Arbeitsplatz für einen schwerbehinderten Menschen schaffen – so will es das Gesetz. Genauer: Fünf Prozent der Arbeitsplätze (bei einer Belegschaft von mehr als 20 Mitarbeitern müssen mit Schwerbehinderten besetzt werden. Eigentlich. Denn von dieser Pflicht können sich die Unternehmer freikaufen – mit der so genannten Schwerbehinderten-Abgabe. Die liegt zwischen 105 und 260 EURO monatlich pro nicht beschäftigtem Schwerbehinderten.

Ein Redakteur des Radioprogramms NDR 1 Niedersachsen hat mal nachgefragt – und da wurde es peinlich. Es stellte sich nämlich heraus, dass sich niemand dafür interessiert, ob die Betriebe denn Schwerbehinderte beschäftigen oder zumindest die Schwerbehindertenabgabe zahlen. Die zuständigen Behörden kontrollieren einfach nicht – und schon gibt es das Problem „Teilhabe von schwerbehinderten Menschen am Arbeitsleben“ nicht mehr – Gesetz hin, Gesetz her. Nur wenn die Unternehmer sich allzu dumm anstellen, gebe es schon m,al in Ausnahmefällen eine Art Plausibilitätsprüfung, so die Niedersächsische Regionaldirektion der Arbeitsagentur etwas kleinlaut gegenüber Holger Bock von NDR 1 Niedersachsen.

Noch krasser: Das Integrationsamt wird auch nicht tätig: Es überprüft nicht, ob die gemeldeten angeblich beschäftigten Behinderten in den Betrieben auch wirklich existieren.
Die IG Metall nennt diese Praxis der Behörden unumwunden beim Namen: „Das ist eine Einladung zum Betrug“, so Werner Feldes von der Gewerkschaft. Und der niedersächsische Behindertenbeauftragte Karl Fink fordert Konsequenzen. Ab sofort müsse es nicht angemeldete Kontrollen auch ohne konkreten Verdacht in den Betrieben geben, so Fink.

Das könnte sich lohnen: Nach einer Softwareumstellung bei der Arbeitsagentur tauchten prlötzlich – wie aus dem Nichts mehrere hundert Betriebe auf. Das Resultat: Ein zweistelliger Millionenbetrag in die Ausgleichskasse. Daraus werden vor allem behindertengerechte Arbeitsplätze finanziert
.