Mittwoch, 11. Januar 2012

Caritas-Kampagne "Armut macht krank"
Präsident Peter Neher: "Krankheitsrisiko steigt - Lebenserwartung sinkt"

Plakat der Caritas-Kampagne "Armut macht krank"
"Armut macht krank" - Das ist das Motto einer Kampagne der Caritas, die der Präsident des Verbandes  Peter Neher heute  mit drastischen Worten  vorstellte: "Das Krankheitsrisiko steigt und die Lebenserwartung sinkt, wenn Menschen lange arbeitslos sind oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten; wenn sie über wenig oder kein Einkommen verfügen oder der Bildungsstand niedrig ist."

"In einem der reichsten Länder der Welt ist die Tatsache, dass Armut krank macht, ein provozierender Zustand", so Neher. Zwar habe Deutschland ein solidarisches Gesundheitssystem von hoher Qualität. Doch es gebe gravierende Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen: So liege die Lebenserwartung einer Frau aus der Armutsrisikogruppe rund acht Jahre unter der von Frauen aus einer hohen Einkommensgruppe. Bei Männern seien es elf Jahre.

Menschen, die von Arbeitslosengeld II leben, überlegten sich jede Ausgabe genau. Dies führe u.a. dazu, notwendige Arztbesuche aufzuschieben, um die Praxisgebühr zu sparen. Neher fordert daher die Abschaffung der Praxisgebühr. "Sie wurde eingeführt, um nicht notwendige Arztbesuche einzuschränken. Dieses Ziel hat sie nicht erreicht. Sie ist allein ein ergänzendes Finanzierungsinstrument mit hohen Bürokratiekosten."

Patient im Arztmobil der Caritas
Foto: Caritas
Besonders schwierig sei die Situation für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Für sie gebe es nur ungenügende Zugänge zum Gesundheitssystem. Betroffen seien Obdachlose, Asylsuchende, Flüchtlinge oder Menschen, die illegal in Deutschland leben. "Menschen gehen nicht zum Arzt, wenn sie Angst haben müssen, den Behörden gemeldet und abgeschoben zu werden. Wir fordern, dass Menschen, die illegal in Deutschland leben, ihre Daten nicht preisgeben müssen, wenn sie einen Arzt brauchen."
Die Gesundheit eines Menschen dürfe nicht von seinem Einkommen, seinem Aufenthaltsstatus oder seinem sozialen Netz abhängen. "Wir brauchen keine Medizin-Tafeln in Deutschland", so Neher. Erforderlich sei eine Politik, die Gesundheit als Thema quer über alle Politikfelder verstehe und Armut und Arbeitslosigkeit noch aktiver als bisher bekämpfe. Nur so sei es möglich, den fatalen Zusammenhang zwischen anhaltender Armut und hohem Krankheitsrisiko zu durchbrechen.

jos / Quelle: Caritas

Donnerstag, 5. Januar 2012

Recht auf Witwenrente erst nach einem Jahr
Wer zu spät heiratet, den bestraft möglicherweise die Rentenversicherung

Der Wunsch, eine Lebensgemeinschaft auf Dauer zu begründen mit
dem frommen Wunsch "bis dass der Tod uns scheidet", hat nicht
immer die rechtlichen Folgen, die Otto Normalverbraucher sich so vorstellt
Foto: Norbert Maas
Wer zu spät heiratet - den bestraft die Rentenversicherung. Diese bittere Erfahrung machte eine 56jährige Frau, die einen unheilbar krebskranken Mann ehelichte, der kurz darauf verstarb. Der Frau wurde die Witwenrente verweigert - zu Recht, wie das Hessische Landessozialgericht urteilte. Das Pech der Witwe: Sie war nicht mindestens ein Jahr verheiratet.

Dienstag, 3. Januar 2012

Zyniker des Tages: Frank-Jürgen Weise
"Qualität der Arbeitsplätze nicht immer existenzsichernd"

Frank-J. Weise Foto: BA
Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, erwähnt "nebenbei" bei der Vorstellung der neuen Arbeitsmarktzahlen in der TAGESSCHAU:
"... dass die Qualität der Entwicklung  der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze nicht immer existenzsichernd ist."  

Statistik und Realität

Wieder einmal wurden Jubel-Arbeitsmarktzahlen verkündet. Und wieder einmal wird - sowohl von der Bundesagentur für Arbeit als auch von der Bundesarbeitsministerin von der Leyen unter den politischen Teppich gekehrt, dass die nachfolgen Gruppen wurden auch in der diesjährigen Statistik nicht erfasst werden:
  1.  Krank geschriebene, Bezieher von Kranken- oder Verletztengeld
  2. Ein Euro Jobber
  3. Bürgerarbeiter
  4. Ü 58, wenn sie länger als ein Jahr kein Stellenangebot von der Arge bekommen haben
  5. „Opfer“ privater Arbeitsvermittler
  6. Mini-, Midi-, Teilzeitjobber, sofern sie mehr als 15 Std./Woche arbeiten
  7. Vollzeitbeschäftigte, die aufstocken müssen
  8. Alleinerziehende, wenn sie keinen Betreuungsplatz für die Kinder finden
  9. Menschen, die Angehörige pflegen
  10. „Opfer“ der Maßnahmenträger-Beschäftigungstherapien wie Weiterbildungen, Übungsfirmen, Bewerbungs-trainings, diverser Aufbewahranstalten wie Ü 50-Projekte, Toys Company etc.
  11. Die „stille Reserve“, die sich wegen zu hohen Einkommens der BG-Mitglieder, Vermögens, das erst verbraucht werden muss oder weggeekelt von SBs nicht mehr arbeitslos melden
  12. Diejenigen, die einen Antrag auf medizinische Reha oder Erwerbsunfähigkeitsrente gestellt haben
  13. Alle, die die 58iger Regelung unterschrieben haben
  14. Selbstständige Aufstocker
  15. Gesperrte/Vollsanktionierte Arbeitslose
  16. Schüler, Studenten und Schulabgänger, die eine Ausbildungsstelle suchen
  17. Arbeitserlaubnispflichtige Ausländer und deren Familienangehörigen sowie Asylbewerber ohne Leistungsbezug
  18. Erwerbslose in schulischer Umschulung
  19. Restliche Teilnehmer der früher möglichen 58er Regelung
  20. Praktikanten, Gratisarbeiter privater Firmen 
Unter Einbeziehung dieser Tatsachen erweisen sich die von der Politik vorgelegten Zahlen bestenfalls als Makulatur.

Quelle: Rentner-News