Samstag, 11. Februar 2012

Die Rente mit 67 - erst der Anfang?
Max-Planck-Institut sieht im Jahr 2050 die Rente ab 72

Erst mit 72 in die Rente - das ist keine Satire oder literarische Horrorvision. Geht es nach den Wissenschaftlern des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, soll das Arbeiten bis ins Greisenalter schon im Jahr 2050 Alltag sein.

Wie die "Welt am Sonntag" berichtete, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass das Renteneintrittsalter in Deutschland angesichts der höheren Lebenserwartung erheblich ansteigen muss. Im Jahr 2050 müssten die Deutschen fünf Jahre länger arbeiten, um die Funktion des Rentensystems zu erhalten, zitierte die Zeitung Institutsdirektor James Vaupel. Da die Rente mit 67 bereits beschlossene Sache ist, würde die Rostocker Prognose bedeuten, dass die Beschäftigten erst mit 72 Jahren regulär in den Ruhestand gehen dürften.

Mit seinen schockierenden Vorstellungen ist Institutsleiter Vaupel nicht allein: Die Europäischen Kommission empfiehlt, „das Rentenalter mit der Steigerung der Lebenserwartung abzugleichen“ und außerdem die Möglichkeiten der Frühverrentung zu beschränken. Das soll nach dem Bericht der "Welt am Sonntag" im Entwurf zu einem sogenannten Weißbuch der EU-Kommission stehen, das sie in der kommenden Woche vorstellen will.

Der Max-Planck-Institutsleiter Vaupel unterstützt die EU-Pläne uneingeschränkt: „Die Menschen müssen schlicht einen vernünftigen Teil ihrer Lebenszeit arbeiten“, so sein Kommentar. Heute verbrächten die Europäer etwa die Hälfte ihres Lebens im Beruf. „Für die Rentensysteme würde es schon reichen, dieses Verhältnis beizubehalten.“ Das aber würde angesichts der demografischen Entwicklung den späteren Einstieg in die Rente bedeuten.

Nach Erkenntnissen des Wissenschaftlers steigt die Lebenserwartung in Europa von Jahrzehnt zu Jahrzehnt um zwei bis drei Jahre. Die Wissenschaftler gehen davon aus , dass 2050 die Menschen im Durchschnitt zehn Jahre länger leben werden als heute „Etwas von dieser geschenkten Zeit werden wir auf die Arbeit verwenden müssen,“ so Vaupel lakonisch.

Gesundheitliche Probleme sieht der Forscher nicht. Seine ungebrochen optomistische Erwartung: „Die gesunde Lebenserwartung steigt ebenso rasch an. Wenn Menschen zehn Jahre länger leben, werden sie zehn Jahre später krank“.

jos

chronischLEBEN-Kommentar
Rente à la "Ex und Hopp": Ausruhen - wenn gar nichts mehr geht

Die Europäische Kommission und schreckliche Wissenschaftler wie der Herr Vaupel aus Rostock vom renommierten Max-Planck-Institut zeigen uns gerade, wo's lang geht und was eine Harke ist. Rein rechnerisch dürfte das Horror-Szenario sogar irgendwie logisch sein, das ja bereits mit der 67er Rente begonnen hat, grausame Realität zu werden. Aber nur, weil dieseperfekt funktionierenden Bürokraten der Menschenverachtung davon ausgehen, dass menschliche Lebenswesen wie x-beliebige Maschinen um jeden Preis am Laufen gehalten werden können bis sie kaputt sind - und dann in die Schrottpresse wandern.

Zum Realsatiriker mit allerschwärzesten Humor wirdder Mann aus Rostock dann unfreiwillig, wenn er dummdreist behauptet, dass Menschen, die zehn Jahre länger leben auch zehn Jahre später krank werden". Woher er diese Gewissheit nimmt, verrät er nicht.

Er sollte mal einen chronisch kranken Menschen fragen. Auch wir werden (hoffentlich) gesundheitlich erträglich steinalt - und besassen die Frechheit, schon früher krank zu werden. Na sowas.

Einen Umkehrschluss seiner kecken Behauptung hat Vaupel offenbar nicht bedacht: Unvoreingenommene Menschen könnten auf die Idee kommen, dass nach den Vorstellungen der Forscher aus dem hohen Norden und der EU-Kommission erst in Rente gehen darf, wer krank ist - und zwar nicht zu knapp.

Wirklich lösen ließe sich nach der Vaupelschen "Logik" jegliches Rentenproblem ganz einfach: Bis 72 arbeiten, dass die Schwarte kracht und dann ein gnädiger Tod. 

Norbert Jos Maas