Sonntag, 17. Juni 2012

Versicherungsgesellschaften kündigen schon jetzt an:
Der "Pflege-Bahr" könnte teuer werden

Wirklich profitieren werden vom "Pflege-Bahr", der vom Gesundheitslsminister propagierten privaten teuren Pflegevorsorge, wohl nur die Versicherungsgesellschaften, warnen Kritiker. Ausgerechnet die Versicherer warnen jetzt auch: Sie kündigen bereits jetzt höhere Policen an.

Der Direktor des Verbandes der Privatversicherer (PKV) Volker Leienbach bezweifelte, ob die von der Bundesregierung angekündigte Förderung von fünf Euro ausreiche, um die Pflegeversicherung generationengerechter zu gestalten. Das hänge von den konkreten Bedingungen für die Policen ab, so Leienbach.

Die von Bahr angekündigte Bedingung, wonach die Branche hier nicht nach ihren gewohnten Prinzipien arbeiten könne, also mit Gesundheitsprüfungen und Ausschlüssen, habe Auswirkungen auf die Kalkulation der Prämien, dohte der Vetsicherungsmanager unverhohlen an.

"Voraussichtlich werden die geförderten gegenüber den nicht geförderten Policen teurer werden", prophezeite Leienbach. Die neuen Produkte hätten nur dann eine Chance im Markt, wenn die fünf Euro die Mehrbelastung durch die neue Kalkulation mindestens kompensieren.

jos


Freitag, 15. Juni 2012

Bundesrat bringt Gesetzentwurf auf den Weg
Länder wollen einen zusätzlichen "Freiwilligen"dienst einführen

Einen Freiwilligendienst vor allem für Menschen im Rentenalter wollen die Bundesländer einführen. Der Bundesrat brachte heute (15.06.12) einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg.

Der Dienst soll bei einer wöchentlichen Mindestarbeitszeit von acht Stunden zwischen sechs Monaten und zwei Jahren dauern. Die thüringischen Ministerin für Bundesangelegenheiten, Marion Wallmann (CDU), betonte bei der Vorstellung des Gesetzesentwurfs in der Länderkammer, der Dienst solle "keine Konkurrenz sondern eine Ergänzung zum Bundesfreiwilligendienst" sein. 

Ein wesentlicher Unterschied des Senioren-Arbeitsdienstes zu anderen Freiwilligendiensten: Wer sich verpflichtet, wird nicht sozialverpflichtet und hat keinen Anspruch auf Taschengeld.
jos


chronischLEBEN-Kommentar:
Abzocke - sozial verbrämt und als "freiwillig" getarnt

Wer auch im Rentenalter ehrenamtlich und ohne Entgelt etwas für sich und andere Menschen tun will, kann das seit jeher tun. Ganz und gar freiwillig. Viele Menschen aller Altersgruppen tun das. Wie andere im Selbsthilfebereich habe auch ich selbst mich kurz nach meiner gesundheitlich bedingten Zwangs-Mini-Verrentung entschlossen, meine Fähigkeiten und Engagement einzubringen. Ich fand und finde das ziemlich wichtig - und es ist auch einfach eine sinnvolle Arbeit. Der Vollständigkeit halber will ich erwähnen, dass ich nicht nur kein Entgeld bekomme; ich will für mich auch keins. Wie viele andere investiere ich in mein Engagement für uns chronisch Kranke nicht nur einen Teil meiner Zeit, sondern trage auch anfallende "Betriebskosten" selbst.


Was der Bundesrat heute auf den Weg gebracht hat, ist etwas völlig anderes. Hier sollen Menschen - vor allem im Rentenalter - für eine Zeit zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren verpflichtet werden, regelmäßig mindestens acht Stunden pro Woche - gern natürlich auch mehr- zu arbeiten. Im Klartext: Es entsteht ein Arbeitsvertrag. 

Der ist allerdings ausgesprochen einseitig: Der "freiwillige" Arbeitnehmer, richtiger: Dienstverpflichtete, hat seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitgeber (soziale Einrichtungen oder der öffentliche Dienst) geben dem dienstverpflichteten dafür - NICHTS! Es gibt - anders als bei den "Bufdis" des Bundesfreiwilligendienstes - nicht mal ein mickriges Taschengeld, und bei der Sozialversicherung winken die Politiker dieser sozialen "Errungenschaft" auch entsetzt ab. Gerade mal eine popelige Haftpflichtversicherung können sich die Bundesrats-Wohltäter sich vorstellen.


Mal abgesehen davon, dass Politiker, die auf solche Ideen kommen, eher eine Selbstbedienungsmentalität entwickeln, wenn es um ihre eigene Tätigkeit geht: Was hier und heute vom Bundesrat auf den Weg gebracht wurde, ist Abzocke übelster Art. Besonders übel deshalb, weil das Abgreifen billiger Arbeitskraft sozial verbrämt wird.

Ich selbst würde für ein solches Modell nicht den kleinen Finger rühren - und ganz bestimmt nicht eine Minute meiner Zeit und meiner schwindenden Energie "opfern". Ich mach meinen  Kram  weiter - einfach nur so. In einen wie auch immer gearteten "Dienst" lasse ich mich jedenfalls nicht (mehr) einzwängen.

Jegliche Art von "Dienst", die Menschen zu etwas verpflichtet und damit Zwang ausübt (auch wenn sie mit dem Begriff "freiwillig" angestrichen wird), ist alles andere als freiwillig. Diese soziale Unart ist schlicht und ergreifend unanständig. 

Norbert Jos Maas


chronischLEBEN-Kommentar: Abzocke - sozial verbrämt
Wer auch im Rentenalter ehrenamtlich und ohne Entgelt etwas für sich und andere Menschen tun will, kann das seit jeher tun. Ganz und gar freiwillig. Viele Menschen aller Altersgruppen tun das. Wie andere im Selbsthilfebereich habe auch ich selbst kurz nach meiner gesundheitlich bedingten Zwangs-Mini-Verrentung entschlossen, meine Fähigkeiten und Engagement einzubringen. Der Vollständigkeit halber will ich erwähnen, dass ich nicht nur kein Entgeld bekomme; ich will für mich auch keins. Wie viele andere investiere ich in mein Engagement für uns chronisch Kranke nicht nur einen Teil meiner Zeit, sondern trage auch anfallende "Betriebskosten" selbst.
Was der Bundesrat heute auf den Weg gebracht hat, ist etwas völlig anderes. Hier sollen Menschen - vor allem im Rentenalter - für eine Zeit zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren verpflichtet werden, regelmäßig mindestens acht Stunden pro Woche - gern natürlich auch mehr- zu arbeiten. Im Klartext: Es entsteht ein Arbeitsvertrag. 

Der ist allerdings ausgesprochen einseitig: Der "freiwillige" Arbeitnehmer, richtiger: Dienstverpflichtete, hat seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitgeber (soziale Einrichtungen oder der öffentliche Dienst) geben dem Ydienstverpflichteten dafür - NICHTS! Es gibt - anders als bei den "Bufdis" des Bundesfreiwilligendienstes - nicht mal ein mickriges Taschengeld, und bei der Sozialversicherung winken die Politiker dieser sozialen "Errungenschaft" auch entsetzt ab. Gerade mal eine popelige Haftspflichtversicherung können sich die Bundesrats-Wohltäter sich vorstellen.
Mal abgesehen davon, dass Politiker, die auf solche Ideen kommen, eher eine Selbstbedienungsmentalität entwickeln, wenn es um ihre eigene Tätigkeit geht:
Was hier und heute vom Bundesrat auf den Weg gebracht wurde, ist Abzocke übelster Art. Besonders übel deshalb, weil das Abgreifen billiger Arbeitskraft sozial verbrämt wird.
Ich selbst würde für ein solches Modell nicht den kleinen Finger rühren - und ganz bestimmt nicht eine Minute meiner Zeit und meiner schwindenden Energie "opfern". Ich mach meinen  Kram  weiter - einfach nur so. In einen wie auch immer gearteten "Dienst" lasse ich mich jedenfalls nicht (mehr) einzwängen
Jegliche Art von "Dienst", die Menschen zu etwas verpflichtet und damit Zwang ausübt (auch wenn sie mit dem Begriff "freiwillig" angestrichen wird), ist alles andere als freiwillig. Diese soziale Unart ist schlicht und ergreifend unanständig. 

Norbert Jos Maas


Dienstag, 5. Juni 2012

Scharfe Kritik am "Pflege-Bahr"
Paritätischer Wohlfahrtsverband: Wir brauchen
keine Reform für die Versicherungswirtschaft"

„Wir brauchen keine Reform für die Versicherungswirtschaft, sondern eine Reform für die Pflegebedürftigen" - mit dieser unmissverständlichen Kritik reagiert der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes, Prof. Rolf Rosenbrock, auf den Beschluss der Regierungskoalition, zur Pflegefinanzierung zukünftig in erster Linie auf die private Zusatz-Vorsorge zu setzen. Anstatt das Pflegeproblem zu lösen, werde der Versicherungswirtschaft eine neue Profitquelle erschlossen. Die Privatisierung des Pflegerisikos bürde Menschen mit geringem Einkommen unzumutbare Lasten auf, verschärfe die gesundheitliche Chancenungleichheit in Deutschland und werde die chronische Unterfinanzierung der Pflegeversicherung nicht beheben, warnt der Verband und plädiert stattdessen für die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung in der Pflege.

„Die soziale Pflegeversicherung wurde 1995 eingeführt, um im Falle der Pflegebedürftigkeit zuverlässig vor der Sozialhilfe zu schützen. Wenn jetzt der Pflege-Bahr kommen sollte, wird die soziale Pflegeversicherung endgültig ad absurdum geführt“, warnt Rosenbrock. Bereits das Riester-Modell schütze im Rentenbereich nicht vor Altersarmut. Ein ähnliches Modell werde in der Pflege noch weniger helfen.

Der Verbandsvorsitzende gibt zu Bedenken: "Menschen mit wenig Einkommen haben kein Geld für eine private Zusatzversicherung übrig und werden sich auch zukünftig die Differenz zwischen Versicherungsleistungen und realem Bedarf nicht leisten können. Im Ergebnis werden immer häufiger die finanziell ohnehin überlasteten Kommunen über die Sozialhilfe einspringen müssen“.

Der Gesundheitsexperte appelliert an die Regierungskoalition, von den Plänen Abstand zu nehmen und endlich eine nachhaltige und soziale Reform der Pflegefinanzierung auf den Weg zu bringen. „Wir brauchen keine Reform für die Versicherungswirtschaft, sondern eine Reform für die Pflegebedürftigen. Es wäre fatal, wenn nun auch in der Pflege Abschied vom deutschen Modell der Sozialversicherung genommen werde, um das uns fast alle Länder der Erde beneiden“, so Rosenbrock.

Der Paritätische bekräftigt seine Forderung nach einem Umbau der Pflegeversicherung zu einer sozialen und solidarischen Bürgerversicherung. Bemessungsgrundlage sind dabei nicht nur die Löhne, sondern auch andere Einkünfte, wie Kapital- oder Mieteinträge.

jos