Freitag, 30. November 2012

Behindertenbeauftragter Hubert Hüppe im Gespräch mit chrponischLEBEN
Grundsätzlichen Stellenwert der Behindertenwerkstätten diskutieren

Hubert Hüppe
Im Zusammenhang mit dem verheerenden Brand in der Caritas-Behinderten-Werkstatt in Titisee-Neustandt, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen, hatte unter anderem auch das Blog chronischLEBEN kritisch über das Verhalten des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Hubert Hüppe berichtet. Nachdem bereits der Sprecher Hüppes heute Vormittag richtig gestellt hatte, dass Hubert Hüppe - anders als berichtet - sehr wohl Stellung zu dem Brand bezogen hatte (chronischLEBEN berichtete) und auch den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme ausgesprochen hatte, sprach Blogger Norbert Jos Maas am frühen Abend am Telefon persönlich mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten. Hubert Hüppe, der über die - nicht korrekte - Berichterstattung nicht "amused" war, wies in dem ausgesprochen offenen und konstruktiven Gespräch auf die ihm persönlich wichtigen Schwerpunkte seiner Arbeit als Behindertenbeauftragter der Bundesregierung hin.

Aktueller Schwerpunkt des Gesprächs zwischen Hubert Hüppe und chronischLEBEN-Blogger Norbert Jos Maas war zunächst der katastrophale Brand in der baden-württembergischen Behindertenwerkstatt. Hüppe betonte noch einmal, dass er gerade im Bereich der Behinderten-Werkstätten ein Höchstmaß an Sicherheitseinrichtungen fordere. Er wiederholte seine erste Stellungnahme zu dem Brand mit 14 Todesopfern:

"Es muss genau geprüft werden, ob alles Sicherheitsbestimmungen eingehalten worden sind und ob sie ausreichend waren.» Sollte dies nicht der Fall gewesen sein, so Hüppe, müsse man sich Gedanken über strengere Vorschriften machen, zum Beispiel bei der Barrierefreiheit. Solange die näheren Umstände der Brandursache, eines offenen Gasofens mit einer Popangasflasche in der Behindertenwerkstatt, nicht geklärt sein  stelle sich die grundsätzliche Frage: «Braucht es neue Bestimmungen oder war es 'einfach' ein ganz schlimmes Unglück?"

   Jährlich rund 7.000 "Neuzugänge" in den Behindertenwerkstätten nicht akzeptabel   

Diskutiert werden müsse unabhängig vom dramatischen Tagesgeschehen auch der grundsätzliche Stellenwert von Behindertenwerkstätten. Sowohl als kooptierendes Mitglied des Bundesvorstandes der Lebenshilfe, die nach wie vor viele der Werkstätten betreibt,als auch in Teilen "seiner" Partei, der CDU trete er sowohl als Vater eines behinderten Kindes als auch "amtlich" als Behindertenbeauftragter dafür ein, nicht um jeden Preis an den bisherigen Modellen der Betreuung und Beschäftigung behinderter Menschen in den Werkstätten festzuhalten. Hubert Hüppe tritt auch in diesem Zusammenhang leidenschaftlich für die Entwicklung inklusiver Modelle ein. Es könne nicht akzeptiert werden, dass Jahr für Jahr rund 7.000 Menschen aus dem 1. Arbeitsmarkt in die Werkstätten gedrängt würden. Hüppe kritisiert in diesem Zusammenhang vor allem Unternehmen, die sich mit Zahlung der Behindertenausgleichsabgabe, aus der auch Behindertenwerkstätten finanziert werden, ihrer Verpflichtung der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen entziehen.

   Persönliches Budget auch in den Werkstätten durchsetzen   

Wichtig sei zurzeit auch die Durchsetzung eines persönlichen Budgets  für Menschen in den Werkstätten.

Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Hubert Hüppe in seinem Bemühen, die UN-Behindertenrechtekonvention, die von Deutschland unterzeichnet sei, mit Leben zu füllen. Auf seiner Homepage weist der Behindertenbeauftragte darauf hin, dass das Recht auf Teilhabe alles andere als eine "Gefälligkeit" sei:

Wörtlich schreibt der Behindertenbeauftragte auf seiner Homepage:
"Teilhabe behinderter Menschen ist ein Menschenrecht, kein Akt der Fürsorge oder Gnade. Die Konvention stellt dies klar und konkretisiert damit grundlegende Menschenrechte für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen. Sie erfasst Lebensbereiche wie Barrierefreiheit, persönliche Mobilität, Gesundheit, Bildung, Beschäftigung, Rehabilitation, Teilhabe am politischen Leben, Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung.

Grundlegend für die Konvention und die von ihr erfassten Lebensbereiche ist der Gedanke der Inklusion: Menschen mit Behinderung gehören von Anfang an mitten in die Gesellschaft."


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